Mai 29 2007

offene Mail an die deutsche Nationalbibliothek

Veröffentlicht by . Filed under: Foren-Welt

Aus aktuellem Anlass habe ich eine offene eMail an die deutsche Nationalbibliothek – genauer an die technischen Ansprechpartner – geschrieben mit dem Vorschlag, Crawler anstelle des mühseligen FTP-Verfahrens einzusetzen. Ich hoffe, es erfolgt eine Antwort und ich darf sie hier veröffentlichen.

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Sehr geehrter Herr xxxxx, sehr geehrter Herr xxxxx

ich wurde soeben per heise.de darauf aufmerksam, dass ich als Betreiber von Weblogs und Foren dazu verpflichtet bin, die Daten der deutschen Nationalbibliothek zur Verfügung zu stellen. Ich finde das Gesetz an sich auch eigentlich ganz sinnvoll, leider die Umsetzung mehr als fragwürdig. Derzeit ist es – sofern ich das richtig verstanden habe – notwendig, alle Daten gepackt an die deutsche Nationalbibliothek per FTP zu senden. Das ist doch eigentlich mehr als mühselig. Wie wollen Sie sicherstellen, dass dies von allen berücksichtigt wird? Die meisten Weblog-Betreiber und auch Forenbetreiber schreiben aus freiem Willen. Sie kümmern sich in der Regel nicht um rechtliche Belange. Das aktuelle Vorgehen ist aber mehr als mühselig und hilft sicher nicht, dass sich Otto-Normalbürger an die gesetzliche Regelung hält – zumal die meisten auch nicht das technische Know-How dazu haben (die Installation eines Weblogs ist heute ja glücklicherweise kinderleicht).

Sehr elegant macht die Archivierung doch die Seite archive.org, welche die Seiten selbständig absucht und neue Inhalte autonom archiviert. Als nationale Einrichtung haben Sie ja keine Copyright-Klagen zu befürchten.

Deshalb hier mein Verbesserungsvorschlag:
Stellen Sie einen Crawler zur Verfügung, welcher vollautomatisch Seiten absucht und neue Inhalte selbständig speichert. Sie können dabei ja die Sprache bzw. Top-Level-Domain berücksichtigen, um sicherzustellen, dass nur deutsche Seiten berücksichtigt werden. Es stellt technisch kein Problem dar, in einer Datenbank festzuhalten, welche Daten bereits vorhanden sind und welche sich geändert haben. So ist es möglich, auch den zeitlichen Verlauf sehr elegant festzuhalten. Mit Hilfe von einem Anmelde-Formular könnte man neue Domains / Seiten leicht in den Katalog aufnehmen lassen.

Sicher bedeutet dies Mehraufwand von Seiten der deutschen Nationalbibliothek. Jedoch könnten Sie sich ja Verfahren von Suchmaschinen zu Nutze machen. Diese verwenden z.B. Dateien mit Namen sitemaps.xml bzw. sitemaps.xml.gz, welche neue Seiten im XML-Format enthält (offener Standard: siehe http://sitemaps.org/).

Ich hoffe, dass Sie die Vorzüge eines Crawlers erkennen und damit der Sinn des Gesetzes erfüllt wird anstatt Bürger aus Unwissenheit in die abmahnbare Falle zu locken (und dass Abmahn-Anwälte in der Internet-Welt nicht weit sind, das wissen Sie sicher auch).

Ich würde mich freuen, wenn Sie auf diese offene eMail antworten können. Ich veröffentliche dieses Schreiben in meinem Weblog http://mathias-bank.de und würde mich freuen, wenn Sie dort antworten würden bzw. wenn ich Ihre Antwort dort veröffentlichen darf.

Hochachtungsvoll

M. Bank

2 responses so far

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2 responses so far

  1. Mettyon 29 Mai 2007 at 18:54

    Da bin ich ja mal wirklich auf die Antwort gespannt.
    Ich kann mir nicht so ganz vorstellen das die sich ernsthaft gedanken um die technische Realisierung gemacht haben.

  2. […] Die Deutsche Nationalbibliothek hat auf meine offene Mail bezüglich der Archivierungspflicht geantwortet. Inzwischen ist das Thema ja auch bei bekannteren Blogs angekommen. Und wie zu erwarten war, trifft die Pflicht aufgrund des hohen Aufwands und den damit verbundenen Kosten nicht gerade auf Gegenliebe. […]

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